Wie erfinde ich mich neu als Unternehmer?

Albert Einstein hat gesagt: „Nichts kann existieren ohne Ordnung. Nichts kann entstehen ohne Chaos.“ Dass er ein schlauer Mann war, wissen wir. Relativ sicher :-).

Brauchen Sie als Unternehmer ab und an das Chaos, um langfristig erfolgreich zu sein? Woher kommt Innovation und wie erfinde ich mich neu als Unternehmer? Keine leichten Fragen. Aber vielleicht brauchen Sie auch keine Antworten, sondern eher die Ermutigung, sich mit den Fragen zu beschäftigen? Wer weiß …

Würden Sie nochmal von vorn anfangen?

Vielleicht finden Sie ja diese Frage völlig daneben und unangemessen. Da baut man ein Unternehmen auf, die Marketingaktivitäten tragen Früchte, man ist etabliert und erfolgreich, sicher in seiner Kompetenz und man kennt die eigene Zielgruppe in- und auswendig.

Veränderungen gibt es immer. Entweder passieren sie einem oder wir entwickeln uns aus uns selbst heraus weiter: zum jährlichen Strategietag, mit neuen Angeboten, anderen Formaten oder so. Ja klar. Stetige Entwicklung, kontinuierliche Verbesserung. Sonst wäre man ja gar nicht mehr da und der Markt hätte einen längst wieder ausgespuckt.

Aber würden Sie nochmal bei Null anfangen? Den Pioniergeist in sich erleben und etwas ganz Neues entstehen lassen? Welche Sätze, beginnend mit: „Ja, aber…“, fallen Ihnen ein?

Schöpferische Zerstörung – oder: Was hat Josef Schumpeter mit Ihnen zu tun?

Josef Schumpeter war Nationalökonom und Politiker. In seinem Frühwerk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“  beschäftigte er sich mit dem Wechselspiel von Innovation und Imitation als Triebkraft von Wettbewerb und Entwicklung.

Die „schöpferische Zerstörung“ wurde durch Schumpeter im Bereich der Makroökonomie bekannt und enthält als Kernaussage folgende These: Jede Entwicklung baut auf dem Prozess der schöpferischen oder kreativen Zerstörung auf.

Auch Nietzsche schreibt in seinem Zarathustra: Und wer ein Schöpfer sein muss im Guten und Bösen, wahrlich der muss ein Vernichter erst sein und Werte zerbrechen.

Was für Worte, oder?

Es gibt eine Zeit für Kontinuität, für Ordnung, für Beständigkeit und Bodenständigkeit. Und es gibt eine Zeit für Irritationen, für Überraschungen, für ein entschlossenes Nein und ein wildes Ja – eine Zeit der Entdeckungen und eine Zeit der Ratlosigkeit. Aus der Quelle des Nichts kann sich alles neu formieren. Nichts ist – und alles kann werden. Der tote Punkt.

Selbst die ordentlichen Betriebswirtschaftler beschreiben in ihrem Produktlebenszyklus das ewige Wechselspiel von Werden und Vergehen. Natürlich ist das nicht chaotisch, sondern alles wohl sortiert und Orientierung gebend: Einführung – Wachstum – Reifung – Sättigung – Degeneration.

Das Portfolio-Modell

Das passende Portfolio-Modell – mit den Question Marks, Stars, Cash Cows und Poor Dogs – ist Ihnen sicher schon mal untergekommen:

Bild Maiblog

Spätestens dann, wenn Sie in das Portfolio Ihre Angebote einordnen und die beiden oberen Felder sind leer, sollten Sie sich eine Auszeit gönnen.

Die Portfolio-Analyse ist ein tolles Instrument bei der Strategiearbeit und auch eine wertvolle Grundlage für Investitionsentscheidungen (Geld, Zeit und Energie). Das Portfolio-Modell ist für die eine Zeit. Für die Zeit, wo es um Kontinuität geht und um stetige kleinere Veränderungen und Anpassungen. Dafür ist es tatsächlich das beste und anschaulichste Instrument, das ich kenne.

Das Problem ist, dass Sie sich mit dem Modell in einem Rahmen bewegen. Die Grenzen sind definiert: durch das Modell selbst, aber auch durch Ihre Perspektive. Angebote und Dienstleistungen gehören immer unter ein Dach, unter das Dach Ihres Unternehmens, so wie Sie es aufgebaut und festgelegt haben.

Schumpeter würde, seiner eigenen Theorie folgend, das Modell – mit all den einsortierten Angeboten – wegwerfen. Und Platz schaffen für: Nichts.

Und aus der Mitte entspringt die Kraft

Wenn es etwas gibt, was uns in Unruhe versetzt, was uns nervös werden lässt und uns den Schlaf raubt, dann ist es das Tohuwabohu, das ultimative Chaos. Wir wissen gern, was passiert. Wir wollen unser Schicksal in der Hand haben. Schließlich sind wir Unternehmer geworden, um etwas zu unternehmen, um tatkräftig zu sein. Chaos und Panik sind ein Paar. Wir versuchen erst noch, zu korrigieren, wieder Ordnung hineinzubringen – in unsere Ausrichtung, die Angebote, unsere Prioritäten und TO DOs. Und das ist ungeheuer anstrengend, weil wir kämpfen und uns auflehnen.

Wovor wir uns noch mehr fürchten, ist die Leere, das Nichts. Chaos ist der Zustand vor dem Nichts. Nach dem Chaos wird es ruhig. Wir hängen an nichts mehr. Und nichts hängt mehr an uns. Wir sind frei für Neues.

Das Konzept der schöpferischen Zerstörung meint genau das: Wir verabschieden uns von allen Überzeugungen und Konzepten, von allen Planungen und TO DOs, von allen Angeboten und von allen Vorstellungen, wer wir sind und zu sein haben. Ja, das stimmt. Das ist keine leichte Nummer.

Und eigentlich tun wir das nie freiwillig. Uns geschieht etwas – und wir reagieren. Wir fühlen uns gelangweilt, sind ausgebrannt und nur noch halbherzig oder unherzig dabei. Oder unsere Angebote und Zielgruppen verabschieden sich von uns – und plötzlich ist ganz viel Platz. Und dann?

Dann ist es Zeit, Bilanz zu ziehen, Abschied zu nehmen und das Nichts erstmal auszuhalten. Danach, erst danach, kommt das Neue. Als Menschen, zudem als selbstständig arbeitende Menschen, als Unternehmer, ist es uns ziemlich fremd, nichts zu machen. Es zuckt in uns und wir wollen tätig sein. Das können wir auch. Aber anders als wir es gewohnt sind.

Wie erfinde ich mich neu als Unternehmer?

Entdeckungen und Innovationen fallen nicht vom Himmel. Es sei denn man heißt Isaac und sitzt unter einem Apfelbaum. Forschungen zu Kreativität und Geistesblitzen, zu Schöpferkraft und zur Entstehung von Innovationen gibt es viele.

Und immer bleibt ein Fitzelchen offen: die Muße, die spontane Eingebung, die Offenbarung, das „Heureka“. So ganz werden wir das Wunder der plötzlichen Erleuchtung nie verstehen. Und vermutlich ist das auch gut so. Ein bisschen Magie bereichert unser Leben.

Was aber, abgesehen von dem nicht zu definierenden 1% Inspiration, immer und immer wieder bei den Forschungen herauskommt, ist: Wir können uns selbst ganz aktiv dabei unterstützen, unsere Kreativität und unseren Schöpfergeist zu entwickeln und den Boden zu schaffen für plötzliche Aha-Momente.

Ich möchte Sie hier und jetzt nicht dazu ermuntern, alle Ihre Unternehmungen einzustellen und nichts mehr zu tun. Obwohl, warum nicht? – zumindest in dem freien Feld des „so tun, als ob“:

  • Wenn alles möglich wäre, Sie nicht gebunden wären an irgendwas: Was würden Sie dann tun?
  • Wann und wo und wofür blüht Ihr Herz auf?
  • Wobei vergessen Sie Zeit und Raum? (Und warum haben Sie das schon so lange nicht mehr gemacht?)
  • Wer und wie wären Sie gern? Und was würden Sie dann tun – und lassen?
  • Wenn Sie das genaue Gegenteil von dem wären, der Sie jetzt sind, was wäre Ihnen dann möglich?
  • Welchen heimlichen Traum hegen Sie?

Alle kreativen, künstlerischen Tätigkeiten unterstützen uns, die Kraft aus unserer Mitte zu entwickeln und unseren Weg zu finden, unseren Weg des Herzens. Über diesen Weg können Sie schreiben und bei langen Spaziergängen in der Natur darüber nachdenken. Sie können ihn tanzen und kneten. Sie können malen oder ein Lied darüber singen. Das Paradoxe ist, je weniger ergebnisorientiert Sie sind, desto mehr werden Sie erreichen.

Wie wäre es, wenn Sie das mal ausprobieren? Erfinden Sie sich neu. Sie tun ja nur so, als ob.

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