Stirbt der stationäre Handel aus?

Wird das klassische Einzelhandelsgeschäft bald nur noch in alten Büchern und auf Ausstellungen und in Museen zu sehen sein? Die Realität lässt sich nicht verleugnen: Online Handel hat schon jetzt eine große Bedeutung für den Kunden.

Neuer Online-Rekord!

Laut der IFH (Institut für Handelsforschung) Köln wurde mit dem Online Handel im Jahr 2014 ein Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro erzielt. Das ist ein neuer Rekord! Im B2C-Geschäft dominiere die bekannten Abteilungen Kleidung und Accessoires. Insgesamt wird fast jeder zehnte Euro online ausgegeben (Quelle: http://www.ifhkoeln.de/News-Presse/IFH-Studie-Online-Handel-knackt-die-40-Milliarden-Grenze–we).

Wer auf die Vorteile des Internets bei der Verkaufsphase verzichtet, dem entgehen viele Kunden. Die Digitalisierung und Vernetzung einzelner Lebensbereiche ist schon jetzt immens und sie werden weiter wachsen.

Einkauf per App…

Das allseits bekannte Einkaufserlebnis kann nun durch zahlreiche Apps begleitet werden. Shopping Apps bieten dem Nutzer viele Vorteile wie zum Beispiel Prämien, Tipps, Bewertungen einzelner Produkte und sie informieren über die besten Angebote in Ihrer Nähe. Anstatt einer langen Fahrt, ewigem Gesuche nach dem Schnäppchen des Tages und unfreundlichem Personal, kann auch viel schneller, preiswerter und einfacher im Internet geshoppt werden. Entweder gehen die Kunden uninformiert einkaufen oder sie nutzen das Internet, um den neuesten Stand über Trends und Tipps zu erhalten. Wenn sie sich schon vorher informieren können, wissen sie ganz genau, was und wo sie kaufen wollen.

… vs. Einkaufserlebnis im stationären Handel

Ein großer Vorteil des stationären Handels ist immer noch das Shopping-Erlebnis, das vielen Kunden Freude bereitet und Sorgen bzw. Frust vergessen lässt. Zudem lassen sich die Käufer gern inspirieren. Zum Beispiel sehen die Kunden beim Shoppen neue Modetrends, verschiedene Outfitkombinationen und ein breit gefächertes Bekleidungsangebot. Im Einzelhandel erhalten sie eine individuelle Beratung und sie können das gewünschte Kleidungsstück an sich selber sehen im Gegensatz zur Onlinebestellung.

Entscheidungen wie der Kauf einer Jeans erfolgen größtenteils auf emotionaler Ebene. Diese lassen sich durch bestimmte Faktoren wie Raumatmosphäre, Servicefreundlichkeit, Musik, limitierte Ausgaben, usw. beeinflussen. Gerade für qualitativ hochwertige Marken ist der Einzelhandel entscheidend, denn der lässt die Interessenten in diese Markenwelt abtauchen. Die Kunden wollen die Exklusivität der Marke fühlen und nicht mit einem Klick der Besitzer einer 10 Euro Ebay Hose zu werden.

Aus dieser Sicht wäre eine Trennung des On- und Offline Handels sinnvoll. Um als Einzelgeschäft noch attraktiv zu bleiben, müssen Sie die Bedürfnisse des Kunden genau kennen und im Gegensatz zum Onlinehandel ein echtes Alleinstellungsmerkmal kreieren.

Statt entweder/oder – Vorteile kombinieren?

Die Fusionierung der Kerninhalte des Onlinehandels mit dem des Einzelhandels wäre jedoch sinnvoll wegen der zunehmenden Vernetzung im Berufs- und Alltagsleben.  Dadurch wäre das Unternehmen im Internet „durchsichtiger“ für den Käufer. Außerdem kann es so weitere, regional unabhängige Kunden anlocken. Des Weiteren kam man sich durch die Internetanalysen bei der Produktentwicklung besser auf die Wünsche und Erwartungen der Käufer beziehen.

Vorteile kombinieren – wie das ganz praktisch aussehen kann…

Zum einen durch Online-Shops…

Viele Modegeschäfte wie H&M, Esprit oder Sportscheck bieten ihr Sortiment nicht nur im Laden an, sondern auch online.

Zum anderen durch „Showrooming“ oder „Ropo-Effekt“…

Bestimmte Kundenverhaltensweisen wie das „Showrooming“  oder der „Ropo-Effekt“ sind erst der Anfang des neuen Shopping-Erlebnisses.

„Showrooming“ bedeutet, dass die Kunden erst durch die Geschäfte ziehen, um dann die gewünschte Ware online zu kaufen. So nutzen viele erfolgreiche Onlinegeschäfte wie www.shoepassion.de dieses Wissen und errichten zusätzlich für die Kunden „Showrooms“ – also Offline-Shops. Mittlerweile können die Nutzer von Online-Schuhgeschäften ihre Füße anhand von ausdruckbaren Schablonen messen, aber bis zur digitalen Version fehlt nicht mehr viel.

Der „Ropo-Effekt“ (Research Online, Purchase Offline – Online suchen, offline kaufen) wiederum beschreibt die Online-Shoppingsuche mit dem anschließenden Kauf im Offline-Shop. Eine Antwort darauf ist die Click & Collect Aktion der Modelabels wie C&A oder Burberry. Das heißt, die Sachen werden auf der Webseite bestellt und im Laden können sie abgeholt werden.

Einkaufen wird zum High-Tech-Erlebnis

Modeunternehmen setzen zunehmend auf Technik beim Einkaufen der Kunden: ob projizierbare Spiegel, die dem Käufer das Anziehen der Kleidungsstücke erspart oder digitale Schaufenster, die nur durch eine Bewegung der Hand gesteuert werden.

In den USA hat das Einkaufshaus Macy´s Tablets in die Umkleiden des Sportgeschäfts einer Filiale integriert. Es wird in den Kabinen nach Hosen, Kleidern, Accessoires, usw. gesucht und die Kunden erhalten über eine Rutsche, die in die Umkleide führt, ihre bestellten Sachen zum Anprobieren.

Über den Konsum der Technik bestimmt jeder für sich selbst, doch sie wird eine immer größere Rolle spielen. Egal in welcher Branche oder welche Geschäftsart Sie verfolgen, eine Nutzung der digitalen Welt wird immer wichtiger…

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