Mit Webinaren trainieren vom Schreibtisch aus

Webinare sparen Zeit und sind bequem – aber sind sie auch nachhaltig? Wie Online-Seminare abwechslungsreich und interaktiv gestaltet werden, und warum sie ein tolles Akquise-Instrument sind…

Es ist Samstag 9:20 Uhr. Wir sitzen als Trainerpaar mit Headset jeder an seinem Schreibtisch. Der virtuelle Seminarraum ist geöffnet. Die Webcam ist an. Wir begrüßen die hereinkommenden Teilnehmer. In unserem Webinarraum kann sich jeder Teilnehmer einen Platz um die Präsentation herum aussuchen. Das schafft eine gute Lernatmosphäre. Es ist der zweite Tag unserer Online-Ausbildung. Pünktlich um 9:30 Uhr sind alle 12 Teilnehmer anwesend.

Wir beginnen – wie im Präsenz-Training auch – unseren zweiten Tag mit einem morgendlichen Bilderblitzlicht und der Frage: „Wie geht es dir?“. Auf unserer PowerPoint-Folie sehen die Teilnehmer eine bunte Bilderauswahl. Passend zur Stimmung wählt sich jeder eins aus. Nun geht das Mikrofon rum. Das Bild, das sich der Teilnehmer auswählt, klicken wir auf unserer Folie an. Es ist mit der Originaldatei auf unserem PC verlinkt und wird dadurch größer. So können sich alle auf ein Bild und das Gesagte konzentrieren. Jetzt stellen wir die Tagesagenda vor und beginnen das Online-Training…

Als wir vor Jahren die ersten eigenen Webinare (also Live-Präsentationen über das Internet) durchgeführt haben, war der E-Learning-Markt noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile ist die Entwicklung von Technik und Nachfrage stark gestiegen. Wenn wir mit Kollegen über den Einsatz von Webinaren als Trainingsmittel sprechen, stoßen wir häufig auf Skepsis. Kann man mit Webinaren und Online-Seminaren wirklich wirkungsvoll, interaktiv und praxisnah arbeiten?

Mein Thema geht nicht online.

Wenn man nur Webinare mit PowerPoint-Präsentation kennt, dann ist schwer vorstellbar, darüber NLP-Elemente, Kommunikationstechniken, Verkaufsstrategien und andere weichen Themen zu schulen. Natürlich gibt es online Grenzen. Doch auch hier gibt es viele, kreative und interaktive Gestaltungsmöglichkeiten. Das klassische Bilderblitzlicht ist eine Methode. Eine andere ist die Kartenabfrage…

Es ist nun 13:30 Uhr. Die Teilnehmer sind aus der einstündigen Mittagspause zurück. Wie im Präsenz-Seminar sind uns diese 60 min Lernpause auch online sehr wichtig. Erholung, Abschalten und den Ohren eine Pause vom Headset gönnen. Bevor wir thematisch voll einsteigen machen wir eine kurze Aktivierungsübung, um die Konzentration zurück zu holen, Energie aufzubauen und die Stimmung aufzulockern. Einer von uns stellt sich vor seine Kamera. Er zeigt die „Daumenübung“: Bewegung anleiten und die Teilnehmer nachmachen lassen.

Jetzt folgt ein Austausch in der Gruppe über das Erlebte und deren Bedeutung. Die Übung lässt sich wunderbar überleiten zu unserem anschließenden Thema: „Verkauf und Marketing beginnt im Kopf.“ Durch die „Daumenübung“ machen die Teilnehmer in der Regel die Erfahrung: „Alles was wir erschaffen entsteht zuerst in unseren Gedanken.“ Um die vielen Gedanken und Ideen festzuhalten nutzen wir die klassische Moderationsmethode, die Kartenabfrage. Dafür gibt es in manchen Webinar-Plattformen spezielle Tools. Hier verteilen wir virtuelle Karten an die Teilnehmer, die diese persönlich beschreiben. Wenn Ihr Webinarraum dies nicht bietet, improvisieren Sie: Bereiten Sie eine PowerPoint-Folie mit bunten, aber leeren Text-Kästen vor. Gemeinsam mit den Teilnehmern sammeln Sie die wichtigsten Aspekte und schreiben dies als Trainer in die Textfelder. Auf der Folie lässt sich auch gemeinsam Clustern, indem Sie die Felder verschieben.

Mittlerweile ist es 14:10 Uhr. Wir möchten das Thema in Partnerarbeit vertiefen. Unser Lernziel: die Teilnehmer setzen sich mit ihrem größten Glaubenssatz auseinander, der sie an der erfolgreichen Selbstvermarktung hindert. Dazu haben wir ein Handout vorbereitet, dass wir in den virtuellen Raum stellen: eine Übungsanleitung zur Arbeit mit hinderlichen Glaubenssätzen. Vorab haben wir 6 Gruppenräume eingerichtet, in der die Partner nun 45 min mit einander arbeiten. Zur Paarbildung verwenden wir eine Folie mit Rommé-Spielkarten. Jeder Teilnehmer nennt reihum eine Karte. Der Trainer nimmt die Karte (eine einfache Bilddatei der Kartenrückseite) und schiebt sie beiseite. Darunter ein Bild der Kartenvorderseite – mal eine Herz 6, mal eine Karo 5. So ergeben sich Paare, die sich nun in den jeweiligen Gruppenräumen zusammen finden. Die Räume sind nummeriert, so dass jede Kartennummer einem Raum zugeordnet wird. Wir geben noch eine Info mit auf den Weg: „Bei Fragen kommt bitte wieder in den Hauptraum, wir sind hier für Fragen da.“ Und weg sind sie. Pünktlich um 14:55 Uhr nutzen wir den Dong, der durch alle Räume schallt. Die Teilnehmer finden sich wieder im Hauptraum ein. Zeit für die Kaffeepause.

Ich habe Bedenken, mich mit der Technik nicht zu Recht zu finden.

Klar, es braucht Einarbeitung in die Webinar-Technik. Doch fertige Webinar-Software-Lösungen sind heute als Online-Programme leicht verständlich und schnell handhabbar. Als Plattformen bieten sich zum Beispiel edudip, gotowebinar, spreed und sabametting an. Hier erhalten Sie einen fertigen Online-Seminarraum mit Präsentationsfläche, Chatfunktion, Umfragetools etc. Je nach Bedarf gibt es unterschiedliche Preis-Leistungs-Modelle und Test-Zugänge. Für ein einfaches Webinar benötigen Sie neben einer Webinar-Plattform lediglich ein Headset.

Viel größer ist die Angst vor technischen Problemen in der Durchführung oder Mikrofon-Ausfällen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die heutigen Webinar-Plattformen sehr stabil laufen. Gleichzeitig lassen sich Webinare und Technik vorab in Probe-Durchläufen testen. Das gibt Sicherheit.

Unternehmen drücken damit die Honorare.

Viele Kollegen scheuen den E-Learning-Markt, weil sie darin einen Trainings-Discounter-Markt vermuten. Sie glauben, dass sie online weniger Geld bekommen. Wir erleben jedoch, dass wir dasselbe Honorar fordern und bekommen – egal ob Präsenz oder online. Ganz im Gegenteil: wenn Sie Ihre Seminare gezielt mit Online-Einheiten ergänzen, bieten Sie Unternehmen einen absoluten Mehrwert. Mit Gesamt-Paketen generieren Sie mehr Umsatz als mit einem reinen Tages-Honorar.

Ein Beispiel für ein solches Paket: Sie bieten eine Woche vor Ihrer 2-tätigen Kommunikationsschulung ein 2-stündiges Online-Seminar an, wo die Teilnehmer Sie kennenlernen und Erwartungen äußern. Das macht eine Woche vorher auch viel mehr Sinn als zu Beginn der Veranstaltung. Das erleichtert den Einstieg im Präsenzseminar und spart Zeit. Gleichzeitig können Sie ein erstes Basis-Modell der Kommunikation schulen – zum Beispiel das 4-Ohren-Modell, so dass alle Teilnehmer mit dem gleichen Vorwissen starten. Das schafft Raum für mehr Praxisübungen.

Im Anschluss an das Präsenz-Training bieten Sie außerdem einen 2-stündigen Transfernachmittag online an, der etwa 2 Monate später stattfindet. Hier können offene Fragen der Teilnehmer, Umsetzungsprobleme in der Praxis und Transfersicherungen besprochen werden.

Mit so einem Blended-Learning-Paket (also die Kombination von Präsenz-Training und Online-Lernen) bieten Sie Ihrem Auftraggeber echten Mehrwert und erhalten mit einem Auftrag mehr als durch die reinen Tageshonorare. Darüber hinaus ist die Nachfrage nach Online-Trainern steigend, der Markt aber kaum besetzt. Mit solchem Zusatz-Service grenzen Sie sich in der Akquise von den Mitbewerbern ab.

Oft hören wir auch, dass Meetings oder Weiterbildungen gar nicht stattfinden, weil der Aufwand Drumherum zu groß ist, Mitarbeiter nicht so lange dem Arbeitsplatz fern bleiben können oder die Tagungskosten das Budget sprengen. Wenn ein Unternehmen eine Inhouse-Schulung, Vertriebstagung oder ähnliches organisiert, dann müssen nicht nur Trainer anreisen und übernachten, sondern oft auch die Mitarbeiter. Stellen Sie sich vor, Sie übernehmen ein Impuls-Training für die Außendienstmitarbeiter eines Unternehmens – und können dies direkt vom Schreibtisch aus durchführen? Viele unserer Kunden, die mittlerweile ihre Trainings und Beratungen durch Online-Einheiten ergänzen, genießen es, weniger reisen zu müssen – gerade ältere. Und die Firmen müssen ihre Außendienstler nicht quer durch Deutschland schicken.

Gratis-Webinare überschwemmen den Markt, wer bucht dann noch?

Viele unserer Webinare sind keine E-Learning-Angebote. Wir setzen kostenfreie Kennenlern-Webinare gezielt zur Akquise von Neukunden ein. So haben wir 80% unserer Kunden gewonnen. Wobei viele Kollegen das Thema „kostenfrei“ kritisch sehen. Wir können das nicht bestätigen.

Wir bieten beispielsweise eine sechstätige Online-Trainer-Ausbildung an. Um hierfür Teilnehmer zu gewinnen sind einstündige Gratis-Webinare ideal. Sie ersetzen kostenfreie Infoabende, wie es bei vielen Ausbildungsinstituten üblich ist. Dadurch können wir mehr Termine anbieten und Interessenten müssen nicht extra anreisen, um sich ein Bild von unserer Ausbildung zu machen.

Drei Tipps dafür:

  1. Bieten Sie einen guten Mix aus Selbstvorstellung, praktischem Mehrwert und Vorstellung Ihrer Dienstleistung.
  2. Die besten Verkaufsquoten erreichen Sie, je konkreter Ihr Angebot ist. Offene Angebote wie „rufen Sie mich an, dann vereinbaren wir alles individuell“ funktionieren deutlich schlechter, weil zu wenig Handlungsdruck entsteht. Konkrete Termine, Preise oder Pakete dagegen sind ideal.
  3. Bieten Sie ein Gratis-Webinar für ein  Thema bzw. Angebot, sonst  streut die Aufmerksamkeit und sinkt die Abschlussquote.

Es ist 16:40 Uhr. Wir beenden das Online-Training mit einer Feedbackrunde. Drei Fragen an die Teilnehmer und ein Mikrofon, was einmal rumgeht. Anschließend laden wir zum ergänzenden Supervisions-Abend in zwei Wochen ein. Natürlich online. Als Trainer-Duo schließen wir den Webinar-Raum und speichern den Mitschnitt des Tages ab, den wir später online als Video zur Verfügung stellen. Wir fahren unseren PC herunter und schließen unser Büro ab. Um 18:00 Uhr sind wir zu Hause – ohne Heimreisestress.

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